Bin Ich, Ich, auch in Schwarz ?

Ich bin ich, vielleicht ein Gruft, ein Gothic (die Bezeichnungen schließen das Weibliche auch ein) oder keines von beiden, aber schwarz gewandet. Ich soll einen Text über das Dasein eines Grufties schreiben und warum, wieso etc. Für mich ist es eine schwierige Sache, denn die richtigen Worte dafür zu finden ist nicht gerade leicht. Es ist schwer das zu beschreiben, was man ist, was man fühlt. Beginnen sollte ich vielleicht mit dem Anfang, aber ich frage mich, ob es jemals einen Anfang gab, es entwickelte sich ganz langsam. Vor ca. 6 Jahren schrieb ich meinen ersten Lyrik, darin verarbeitete ich zum ersten Mal meine Gefühle, es ist traurig und einige meinten es sei dunkel, sie hatten recht, aber dies waren die Gefühle, für die sich die Meisten nicht interessierten und in mir waren. Dieses Schreiben ist für mich ein Ventil geworden, die Feder ist meine Macht und die Menschen, die sie Lesen, sie bewundern oder kritisieren sind fast alle Grufties. Ich habe sie als sehr interessante Menschen kennen gelernt, sie akzeptieren mich wie ich bin und ich kann mich mit ihnen unterhalten, was den meisten "Normalos" sehr schwer fällt. Die Leute der Szene gehen anders miteinander um, viel respektvoller, reden anders, die Aussprache hat manchmal Worte aus dem früherem Deutsch (aus dem Mittelalter), die Jugendlichen selten verständlich sind oder die besitzen einen sehr ausgeprägten Wortschatz, das davon kommt, dass die meisten Grufties sehr belesen sind.

Der Kleidungsstil ist ein anderer, oft sind Farben wie Schwarz, dunkel Lila, dunkel Blau, Rot oder andere extrem mit Neongrün oder Pink, jeder wie er mag. Samt, Rüschen, Mieder, Lack, Leder jeder stylt sich anders. Ich bevorzuge lange Röcke, hauptsächlich in Schwarz, doch Farben wie Rot und Blau sind auch dabei, mein Lieblingskleid ist aus lila Samt, welches ich aber nur selten tragen kann, da es sehr, sehr lang ist. Das Make-up ist blass, was wohl seine Bezüge aus alten Zeiten hat, als blass noch als sehr nobel galt. Wobei man kann nicht sagen, dies oder das macht einen Gruft aus, jeder hat seinen eigenen, ganz persönlichen schwarzen Stil. Der Kleidungsstil richtet sich wohl auch nach den Musikgeschmäckern, so dass ich, die lieber gerne Mittelalterlichen Klängen fröne, wobei das auch nicht immer so ist, manchmal sehe ich fast aus wie ein Punk, also recht variabel.

 So landete ich eines Tages in einem Chat von Grufties und bin dort geblieben. Die Menschen mit denen ich aus der Szene zu tun habe, sind sehr nette Menschen, die zumeist sehr offen mit ihren Problemen umgehen. Wir helfen uns gegenseitig, hören uns zu, was sehr gut tun kann. Die Szene verdrängt Themen wie Tod, Schmerz, Leid nicht, sondern erforscht es, beschreibt es und akzeptiert es als einen Teil des Lebens. Viele Menschen interpretieren die Texte, die Musik oder Wesensart dieser Menschen falsch, hörten ihnen erst gar nicht richtig zu, was viele Missverständnisse hervorruft. Die Texte oder Bilder mögen dunkel wirken, handeln vom Sterben und vom Tod, aber die Leute versuchen ihre finstersten Gedanken aus zu drücken ohne sich die Pulsadern aufschlitzen zu wollen. Sie wollen nur ausdrücken, wie sie sich fühlen.

 Jeder Gruft hat andere Interessengebiete, andere Vorlieben, so ist es schwer auch nur einen allgemeinen Überblick zu bekommen. Die Szene ist sehr offen für alles, ein Volk, was sich viel für Geschichte interessiert besonders für alte Völkern wie den Germanen oder den Kelten, oder auch für das Mittelalter. Einige beschäftigen sich mit den alten Religionen, mit Okkultismus, wovon ich lieber Abstand nehme, weil man da in böse Fallen tappen kann. Einigen genügt das Einfache nicht mehr und brauchen mehr und mehr, richten ihr Leben nach Pendeln oder Karten, das kann manchmal in Sekten enden. Es beschreibt vielleicht den schlimmsten Fall, aber ich lass lieber die Pfoten davon. Ich glaube an Gott, wie einige meiner "schwarzen" Freunde (nein, nicht alle sind Satanisten, eher wenige).

Was einen Gruft ausmacht oder was er ist hab ich wohl weniger erklärt, aber vielleicht ein wenig näher gebracht. 

 
Gruß an OfMINe, die dieses Bild erschuf (das bin ich ein wenig)

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