Einheit, Einheit über alles...

Letztes Wochenende war ich zu den Feiern zum Tag der Deutschen Einheit in Hannover eingeladen. Ja, ich gehörte zu den wenigen auserwählten Sterblichen, die dieser würdigen Zeremonie live und in Farbe beiwohnen durften. (Warum, das ist eine längere Geschichte...)

Tja, zum einen fiel mir auf, dass ich ohne größere Probleme eine Schusswaffe hätte mitnehmen können, um die Politprominenz ins Jenseits zu befördern. Zum anderen fiel mir nicht viel auf – in Bezug auf den Hymnenmix. Der Gastgeber, das Land Niedersachsen, hatte ja bei einem Komponisten die musikalische Begleitung in Auftrag gegeben, und dabei war unter anderem eine Mischung aus der Nationalhymne der BRD, eines Schlagers „Good bye, Johnny" und der Nationalhymne der DDR („Auferstanden aus Ruinen...") entstanden.

Dass einige Takte letztgenannterer Hymne bei den geheiligten Feiern zum geheiligten Tag der geheiligten Deutschen Einheit erklingen sollten, erboste einige Politiker (die aus Bayern) so sehr, dass sie gar nicht erst erschienen. Möglicherweise könnten sie ja durch das Anhören dieser Musik mit der DDR-Weltanschauung infiziert werden...!

Jedenfalls, mir als BRD-Kind fiel nicht viel auf...

Beim weiteren Verlauf der Veranstaltung kam es sehr darauf an, welcher politischen Richtung man selbst angehörte. Die Rede von Herrn Schröder fand ich recht annehmbar; sie wurde z.B. auch dadurch aufgelockert, dass er den (ausgeflippten) Handballspieler Stephan Cretzschmar zitierte. Der Bundespräsident Roman Herzog fand – natürlich – viele Lobesworte für die Errungenschaften der Einheit und des noch amtierenden Bundeskanzler, während der tschechische Ministerpräsident Vaclav Havel selbst sagte, er wolle mit seiner Rede ein wenig provozieren. In meinem Falle hat er das auch ganz gut geschafft, ich hab eben einfach andere Ansichten...

Zum guten Schluss wurde noch einmal die (bundesdeutsche) Nationalhymne gesungen... man kann ja von unserem Staat auch viel Gutes sagen, und ich bin auch froh, hier zu leben – aber ist es wirklich notwendig, aufzustehen und dann gemeinsam diese Hymne zu singen? Mir fehlt leider jegliches Nationalgefühl und mein Ich besteht eben nicht vorrangig darin, Deutsche zu sein. Außerdem kann man einen Staat durch solche Symbole auch glorifizieren... Das Ehepaar hinter mir stand stramm und sang den gesamten Text der dritten Strophe mit, während ich demonstrativ sitzen geblieben bin. Leider haben sich die beiden hinter mir sich nicht getraut, mich darauf anzusprechen, sondern haben sich auf das übliche Meckern beschränkt... Na ja, ich hoffe doch, dass ich den Tag noch erlebe, an die Einheit dieses Landes so selbstverständlich geworden ist, daß man gar keinen Festakt mehr inszenieren muss...

Valeska