Essstörungen

Leider sind Essstörungen heute zu einem ernst zunehmenden Problem geworden. Egal ob Magersucht, Ess-Brech-Sucht, oder Esssucht, jede dieser Krankheiten hat seine Ursachen und ein anderes Bild. Im folgenden möchte ich euch etwas über die Krankheiten erzählen. Eure Hoffnungsschimmer

 

Magersucht (Anorexia nervosa)

Magersüchtige sind auffallend dünn. Sie stehen nicht mehr in Kontakt zu ihrem Körper, wichtig ist ihr Kopf, der kontrolliert und steuert. Der Körper ist ihr Feind, der gierig und bedürftig ist und bekämpft werden muss. Die Kontrolle gibt ihnen das Gefühl, autonom und unabhängig zu sein. Betroffene kochen gern und viel für andere, essen selbst davon jedoch nichts oder täuschen das Essen vor. Magersüchtige kommen meist – von außen gesehen – aus sehr harmonisch erscheinenden Familien und hatten in dieser überbehüteten Atmosphäre keine Chance, sich selbst auszuprobieren und eine eigene Identität zu entwickeln. Im Verlauf der Erkrankung kapseln sich Betroffene immer stärker ab. Niemand ist ihnen gut genug. Schwarzweißdenken und depressive Verstimmungen machen den Umgang mit ihnen schwer. Dringender Handlungsbedarf für Angehörige und Freunde besteht, wenn Betroffene apathisch reagieren, nur noch mit leiser Stimme sprechen, kraftlos sind und bei dem kleinsten Konflikt mit Weinen reagieren. Dies sind Alarmsignale, die als ersten Schritt einen Arztbesuch nötig machen. Doch: Auffallend schlanke Menschen sind nicht automatisch magersüchtig!

Die Diagnosekriterien für Magersucht sind:

Ein übertriebener Sparsamkeits- und Reinlichkeitssinn sowie Ablehnung jeglicher lustbetonten Betätigung führen häufig zu einer äußerst spartanischen Lebensweise. Die körperlichen Folgeschädigungen sind Absinken des Stoffwechsels, des Pulses, des Blutdrucks und der Körpertemperatur, was zu Müdigkeit, Frieren und Verstopfung führt. Trockene Haut, brüchige Haare zeigen die hormonellen Veränderungen an, die sich auch im Ausbleiben der Menstruation und im Extremfall auch in einer Veränderung der Körperbehaarung äußern. Bei einer Krankheitsdauer von mehreren Jahren kommt es als Folge der hormonellen Veränderungen auch zu Osteoporose. Das Ausbleiben der Menstruation tritt nicht bei einer Hormonbehandlung zur Schwangerschaftsverhütung (Einnahme der Pille) ein. Dies ist dann jedoch kein Beweis dafür, dass keine Magersucht vorliegt.

Ess-Brech-Sucht (Bulimie)

Vom äußeren Erscheinungsbild her sind bulimische Frauen/Männer unauffällig, meist schlank. Auch ihr Essverhalten in der Öffentlichkeit ist eher kontrolliert. Nach außen hin funktioniert alles perfekt. Bulimie ist eine schambesetzte und heimliche Essstörung. Die Betroffenen ekeln sich vor sich selbst, haben das Gefühl abnorm zu sein. Sie tun alles, um ihre Essanfälle und das danach Folgende (Erbrechen oder Abführmittelmissbrauch) ungeschehen zu machen, die Kalorienzufuhr zu verheimlichen. Oft entscheiden sie sich für extreme sportliche Betätigungen, die zwar viele verwundern, jedoch nicht misstrauisch machen. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es vermehrt zur sozialen Isolation und depressiven Verstimmungen. Um ihren Heißhungerattacken nachgeben zu können, vernachlässigen Betroffene häufig jegliche Interessen und den Kontakt zu anderen Menschen.

Die Diagnosekriterien für Bulimie sind:

In der Vorgeschichte von Betroffenen finden sich häufig magersüchtige Phasen. Auch im Verlauf der Bulimie kann es wieder zu Magersucht kommen. Essstörungen können sich immer wieder verlagern. Besonders Magersucht und Ess-Brech-Sucht haben fließende Grenzen.

Die körperlichen Folgeschäden der Bulimie sind:

Schwellung der Speicheldrüsen, Zahnschmelzschäden, Speiseröhreneinrisse, Magenwandperforationen sowie Elektrolytenentgleisungen, die zu Nierenschäden und Herzrhythmusstörungen führen. Die Regelblutung kann ausbleiben. Hinzukommen häufig finanzielle Schwierigkeiten, bedingt durch den großen Nahrungsmittelkonsum und Ausgaben für Abführmittel.

 

Esssucht

Betroffen sind Menschen, die ständig Probleme mit ihrem Gewicht haben, die immer wieder eine Diät ausprobieren und anschließend wieder zunehmen.

Doch wo hört die gesunde Ernährungsweise auf und wo fängt die Essstörung an?

Die Grenzen sind fließend. Häufig ist die latente Esssucht der Einstieg in eine wirklich massive Essstörung. Natürlich sind nicht alle Menschen die ihr Gewicht kontrollieren, latent esssüchtig. Es ist aber Zeit etwas zu verändern, wenn man immer in der Angst vor einer Gewichtszunahme lebt, wenn man nicht mehr auf die eigenen Bedürfnisse und Körpersignale hört und wenn man nicht mehr entspannt essen und genießen kann. Weil nach jeder Diät das Gewicht wie vorprogrammiert wieder nach oben schießt, besteht die Gefahr, dass die Betroffenen irgendwann den Entschluss fassen, das nächste mal noch strikter zu hungern oder nach dem Essen zu erbrechen. Das wäre dann der Einstieg in eine noch schlimmere Essstörung.

Diagnosekriterien für latente Esssucht:

Weitere Informationen auf www.bzga-essstoerungen.de

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